Alles über die Romane von Heinrich Eichenberger

 
Hubert W. Holzinger Verlag, Berlin - Protagonisten
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- Abhörschutz - 

Der Geheimdienstmann und Schriftsteller Eichenberger schreibt zu diesem Thema in seinem Roman »Der Siegermacher«:

Zimmer 312 war tatsächlich freigehalten worden. Wahrscheinlich war das Zimmer aber verwanzt. In den Lehrfilmen der Desinformation, besser als James-Bond-Filme bekannt, findet der Held mit einem piepsenden Kästchen dann die Wanze. In Wirklichkeit müsste man sämtliche elektrischen Geräte wie Radio, Wecker, Telefon, Lampen und die entsprechenden Steckdosen aus dem Zimmer entfernen. Dann müsste man die Klimaanlagenverblendungen ausbauen und die Lüftungsschächte inspizieren. Hat man danach noch die Fußbodenleisten abgerissen, zwischen die Doppelfenster Plastikfolien geklebt, die Möbel zerlegt, die Matratzen aufgeschnitten, kann man sich zu 90 Prozent sicher sein, dass ein professioneller Dienst hier nur noch das Klagen des Hoteldirektors über den Zustand des Zimmers vernimmt. Denn mit Piepsern aus dem Versandhaus für Detektive kann man zum Teil noch nicht einmal die Wanzen finden, die im selben Heft angeboten werden.

»Entschuldigung«, meinte Richard und legte den Schlüssel auf den Tresen, »könnte ich das Zimmer tauschen, vielleicht mit 414?«

Unter dem Stichwort → Abhörmaßnahmen haben wir dies bereits zitiert und deutlich gemacht: Man kann sich gegen professionelle Dienste nur dadurch wehren, indem man überraschend den Ort wechselt. Und diese Abwehr ist sehr kurzfristig.

Selbstverständlich darf man weder telefonieren noch sollte man ein Handy mit sich führen, soll verborgen bleiben, dass man sich mit jemanden bestimmten getroffen hat. Und wer mit einer Kreditkarte bezahlt, beweist nicht nur, dass er liquide ist, sondern hinterlässt ebenfalls ein Bewegungsprofil. Es ist für einen normalen Geschäftsmann nicht möglich, sich einem geheimdienstlichen Angriff  zu entziehen.

Wer glaubt, mit einer bestimmten Verschlüsselungstechnik seine E-Mails für Dritte unlesbar machen zu können, wird eines mit Sicherheit erreichen: Er macht auf sich aufmerksam. Ist man erst einmal interessant, arbeitet auch bald der eigene Computer für die Gegenseite. Immer vorausgesetzt natürlich, die Gegenseite ist ein potenter Geheimdienst. Gegen verbrecherische Banden, die an fremde Kontodaten etc. gelangen wollen, reichen in der Regel die einschlägigen Sicherheitsmaßnahmen, befolgt man sie auch und aktualisiert die entsprechende Software regelmäßig.

Jedwede Anstrengung in Richtung Abhörschutz erfordert sehr schnell eigene Konspiration. Ob der Ehemann seine Frau mit der Sekretärin betrügt, der Millionär aus steuerlichen Gründen zum Schein seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, der Konkurrent sich einen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen will, das Schwarzgeldkonto in der Schweiz auf den Namen der Putzfrau angelegt ist, stets glaubt man, einen konkreten Gegner abwehren zu müssen und lebt in der Illusion, dass dieser Gegner irgendwo in der eigenen Umgebung auch zu orten sein müsse. Dabei wird die Tatsache vernachlässigt, dass die schützenswerte Operation oder der schützenswerte Zustand in einem multipersonellen Komplex schwebt. Fährt z. B. der Ehemann angeblich zum Kongress, obwohl es ihn nach etwas anderem gelüstet, findet der Angriff eventuell auf Seiten der Sekretärin statt. Sie wird observiert, ihr hat man den Reisewecker mit Abhörvorrichtung geschenkt, bei ihrem Handy schöpft man die Verbindungsdaten ab usw. Folglich nutzt es nichts, fährt der Mann Umwege, schlägt Haken und schaut in den Rückspiegel und inspiziert das Hotelzimmer.

Und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschäftsführer vor zwei Jahren, warum er als Geschäftswagen einen Porsche fahren will und keinen Mercedes-Kombi, ist eventuell bereits die Grundlage dafür, dass sich der verärgerte Angestellte jede Woche eine Sicherungskopie der EDV-Anlage mitnimmt. Welche Sache vergessen ist, welche latent einen Menschen beschäftigt, sieht man jemand nicht an der Nase an. In diesem Fall wurde wohl nicht abgehört, jedoch wird er beim heutigen Dokumentierungswahn des modernen Managements lückenlos alle wichtigen Gesprächsprotokolle haben.

Wenn ein vertrauenswürdiger Geschäftspartner sein Handy kurz vor der Besprechung auf stumm stellt, bedeutet dies nicht, dass das Gerät bewusst oder auf Grund einer Fehlbedienung noch eine Verbindung aufrecht erhält.

Hier noch ein Test Ihrer Sensibilität in punkto Abhörschutz: Ihre Putzfrau hat mit einem feuchten Tuch den Computerbildschirm abgewischt. Das sollte man nicht tun, denn der Bildschirm flimmert plötzlich. Sie kaufen sich einen neuen Bildschirm und da man dem Computerfachmann nicht trauen sollte, kaufen Sie den Bildschirm selbst aus dem Regal im Supermarkt und lassen ihn nur noch installieren. Zwei Tage später werden sämtliche Gespräche, die Sie an Ihrem Schreibtisch führen, abgehört. Wie kann dies sein? Was ist passiert?

So ist das eben mit der Zauberei. Der Angreifer ist weder die Putzfrau noch der Computerfachmann. Flimmert ein Bildschirm, sucht man, wie auch sonst im Leben, eine Ursache. Eine naheliegende ist der feuchte Lappen. Dass aber der Bildschirm flimmert, wurde forciert. Derartiges ist von jedem, der es versteht und nur für kurze Zeit in die Nähe des Bildschirms kommt, zu bewerkstelligen. Ihr defekter Bildschirm ist nämlich die Voraussetzung für den Angriff, weil man einen gebrauchten Bildschirm nicht unbemerkt auswechseln kann. In dem Augenblick, in dem ein neuer Bildschirm auf Ihrem Schreibtisch steht, wird der Angreifer sich ebenfalls einen baugleichen im Supermarkt besorgen, ihn entsprechend präparieren und das neue Gerät gegen sein präpariertes austauschen. Die Austauschaktion dauert übrigens etwa 90 Sekunden.

Machen Sie sich nichts daraus. Die letzten 500.000 Bildschirme, die irgendwo installiert wurden, waren nicht präpariert und niemand hat den Defekt der Vorgänger forciert.

Doch es ist klar, ein Bildschirm wird in der Regel nicht repariert, sondern ausgetauscht. Die Wanze wird deshalb später nicht durch Zufall entdeckt. Ferner steht ein Computerbildschirm immobil in der richtigen Entfernung zur Zielperson. Da ein Bildschirm ständig mit Strom versorgt wird, ist es ein Leichtes, die Wanze mittels Funksignal aus- und einschalten zu können. Während das Abhören wiederum über ein moduliertes Signal mittels Stromleitung erfolgt. Sollten Sie Boss eines Unternehmens sein und eine doppelt gepolsterte Bürotür als Statussymbol Ihr eignen nennen, führen Sie vertrauliche Gespräche im Raucherraum der Arbeiter. Dort gibt es auch einen Kaffeeautomaten. Sie erfahren dann mehrere Dinge gleichzeitig:

1. Der Kaffee, den Sie Ihrem Personal gegen Geld anbieten, schmeckt fürchterlich.
2. Der ausländische Arbeiter, der am Nebentisch eine Zigarette raucht, weiß nichts von der Desinformationsstrategie, dass bereits Passivrauchen schädlicher wäre als Dieselruß.
3. Was für Sie wichtig ist, interessiert die Arbeiter überhaupt nicht.
4. Allerlei Störungen des Gesprächs sind kein Zeichen dafür, dass man abgehört wird.
5. Ob Ihr Gesprächspartner oder sein Assistent übermorgen nicht den Inhalt dieses vertraulichen Gesprächs an die Presse oder Konkurrenz verkauften, bleibt Ihnen trotzdem verborgen.

Und haben Sie das verstanden, werden Sie zu der Erkenntnis kommen, dass es in einer arbeitsteiligen Welt keinen Schutz vor Vertrauensbruch geben kann, aber man diesem Aufsteller des Kaffeeautomaten mit einfachen Mitteln Dampf machen könnte.

 

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Faule Eier
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