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- Wanzen - 

Als Wanzen bezeichnet man elektronische Sender, welche in Räumen oder Telefonen installiert werden, um verdeckt Gespräche abhören zu können.

Der in der Regel batteriebetriebene Sender hat den Vorteil, dass er sehr mobil ist und kurzfristig ohne Aufwand installiert/forciert werden kann. Für das Forcieren des Senders genügt das kurzfristige Betreten des Raumes. Der Besucher klebt den Sender unter die Schreibtischplatte, an die Rückseite von Möbeln, unter den Besuchersessel, in den Hohlraum eines Aktenordners usw. Tritt der Besuch zu zweit auf, kann die Zielperson eine derartige Manipulation nicht mehr beobachten.

Doch diese herkömmliche Wanze hat einige Schönheitsfehler: Ihre Batterie hält nur begrenzt und ihre Funksignale fallen im »Äther« auf, die Wanze ist zu orten. Trotzdem werden Detektive und andere semiprofessionelle Lauscher derartige Technik schneller einsetzen als ermittelnde Behörden.

Obwohl eine irgendwo vom unverdächtigen Besucher angeheftete Wanze durch Zufall sehr schnell entdeckt werden kann, eignen sich für kurzfristige Aktionen diese Geräte bestens.

Eine Wanze kann dann auch größer sein, als sich dies Laien vorstellen. Sie ist in einem Aktenkoffer, in einer Mappe etc. installiert und mit einem hochempfindlichen Mikrophon versehen.

In Büroräumen  werden derart präparierte Koffer oder Mappen dann »vergessen«, und wie im wirklichen Leben sagt die Sekretärin einen Tag später am Telefon: »Oh, Ihre Tasche steht hier? Tatsächlich! Das ist uns überhaupt noch nicht aufgefallen.«

Sitzen die Zielpersonen im öffentlichen Raum an einer Bar, so sitzt der Agent unverdächtig drei, vier Barhocker weit entfernt und unterhält sich mit dem Rücken zur Zielperson.

Immer gilt, wie bei allen Abhörmaßnahmen, dass man sich gegen mächtige Gegner kaum schützen kann, möchte man unbedingt an der Bar, im Restaurant, im Café vertrauliche Gespräche führen. Ist dem Gegner das Treffen im Voraus bekannt, ist am Nachbartisch ein Mikrophon auf die Zielpersonen gerichtet. Dass die Familie mit Kind während des Gesprächs die Lokalität verlässt und ein Rentnerpaar an einem anderen Tisch Platz nimmt, dann eine einzelne Frau kommt und später ihr Freund, bedeutet gar nichts. Ist der Gegner sehr mächtig, wie es z. B. ein Inlandsgeheimdienst, Spezialeinheiten der Steuerfahndung oder Kriminalpolizei sein können, so ist der Einsatz mehrerer Personengruppen mit allerlei Scharaden kein Problem. Zielpersonen werden umgehend arglos, werden sie von Dritten nicht fixiert. Erst der Blickkontakt erregt in Menschen den Verdacht, dass der Fremde sie beobachten könnte. Dass jemand nicht schauen muss, um trotzdem zu beobachten bzw. zu lauschen, wird den Menschen nicht bewusst.

Die Frage ist auch immer, wie die entsprechende Zielperson eingeschätzt wird. Und natürlich hört niemand ein Gespräch ab, damit er was zu hören bekommt. Der Aufwand muss einen entsprechenden Erwartungsnutzen haben.

Im Roman »Faule Eier« vom Geheimdienstmann Eichenberger geht es um den illegalen Transfer von Atomwaffentechnologie. Und selbstverständlich wird der gegnerische Geheimdienst, für den es um Leben und Tod geht, den Aufwand nicht scheuen. Es gibt also einen hohen Erwartungsnutzen und die Zielperson wird entsprechend professionell eingeschätzt.

Hinz und Kunz werden derartige Angriffe nicht erleben, weil ermittelnde Behörden keine konspirativen Klimmzüge machen, sondern die Wohn- und Geschäftsräume durchsuchen, den Verdächtigen festnehmen und ihm allerlei schlimme Dinge unterstellen. Da Hinz und Kunz bereits aus dem Kindergarten wissen, dass es »ungerecht« ist, wird man falsch beschuldigt, vergessen sie regelmäßig, die Aussage zu verweigern und dabei zu bleiben.

Folglich versucht man, sich gegen die Falschbehauptungen der vernehmenden Beamten zu rechtfertigen, verstrickt sich in Widersprüche, ermüdet, weil niemand einen versteht und packt dann aus. Mit dem Geständnis schließen die Ermittler in der Regel ihre Wissenslücken und die Anklage ist zementiert.

So sollte man glauben, dass sich die Staatsanwaltschaften nicht die Mühe des Abhörens machen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Journalist oder ein Rechtsanwalt darauf vertrauen kann, dass seine Geschäftsräume nicht doch verwanzt sind. Während das Abhören von Telefonaten durch fachkundige Dritte gemacht werden muss, funktioniert die Wanze, ist sich das Ermittlungsteam einig, indem man sie einschaltet. Und natürlich gilt dies auch für Gefängniszellen, Vorstandsetagen und Geschäftsstellen von Gewerkschaften.

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Heinrich Eichenberger, Geheimdienstmann und Autor

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