Reflektionen über
„Der Siegermacher“
08. Juli 2009; Katrin Rank

Für Freunde
und Feinde des Radsports ein Muss.
Für
Couchpotatoes eine geistige Adrenalinfahrt.
Richard,
informeller Agent des britischen Geheimdienstes und menschlicher
James Bond, hegt Zweifel an dem plötzlichen Unfalltod seiner
Mitarbeiterin Mercedes. Bei seiner Suche nach Aufklärung gerät
er in mafiöse Seilschaften des Radsports.
Dieser
Sport, metaphorisch für Geschwindigkeit, steht in diesem
Agentenroman für die rasante Abfolge von Ereignissen. Bei einer
Schnitzeljagd quer durch Europa dröselt unser moderner Held
Richard das dicht gewebte Netz, des scheinbar nicht mehr
existenten kalten Krieges, Stück für Stück auf und macht so
sichtbar, dass die Marionettenspieler unserer Gesellschaft nur
ihren Namen, nicht jedoch ihre Methoden ändern.
Der Autor
geht in seiner detaillierten Beschreibung der Personen, Orte und
Interna des Radsports und Dopings so weit, dass der Leser keinen
Roman mehr liest sondern sich der unerbittlichen Wirklichkeit
ausgesetzt sieht.
Während des
Lesens entwickeln sich so klare visuelle Vorstellungen, dass man
sich automatisch den Film zum Buch wünscht, der gewiss Potenzial
zu einem Blockbuster hätte.
Nach
Beendigung dieses Romans (Thrillers) werden in Zukunft Zweifel
am gerechten Sieg und Bedenken einer Dopingüberführung in
Fleisch und Blut übergehen.
Katrin Rank, Berlin
http://www.kathrin-rank.de/
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Die Realität hinterm Doping im Radsport - Spannung pur!,
19. Dezember 2008
Wenn man den Medienberichten zum Doping im Radsport folgt,
geht einem jedes Gefühl dafür verloren, daß sich dahinter reale
Menschen aus dem Hier & Jetzt verbergen.
In "Der Siegermacher" von Heinrich Eichenberger, erschienen 2008
im Berliner Holzinger Verlag, wurde die literarische Form des
Romans gewählt, um das Thema gründlich auszuleuchten. Abseits
der auf Quote ausgerichteten Medien-"Schreibe" und der "gutachterlichen
Stellungnahmen", die im Internet zuhauf kursieren, gelingt es
dem Autor, Menschen über einen spannenden Agenten-Plot an das
Thema Doping im Radsport heranzuführen.
Und dies spürt auch der Laie: Das Buch ist kein Routine-Diktat
eines Krimi-Lohn-Schreibers, sondern fundierte Analyse.
Eichenberger weiß, worüber er spricht und exakt das zeichnet den
Roman aus: Als ehemaliger Schlapphut aus dem Wirtschaftsumfeld
gelingt es ihm überzeugend, die vielen Facetten seines Themas
stilsicher vor seinen Lesern auszubreiten.
Daß das dann auch noch hochspannend und mehrdimensional
daherkommt, zeichnet Eichenberger auch als guten Autoren aus.
Von dieser Art der thematischen Aufarbeitung von Themen, die die
breite Masse oft nur oberflächlich erreichen, wünscht man sich
gerne mehr. In der anglo-amerikanischen Literatur ist das lange
an der Tagesordnung: Reale Wissenschaft, tatsächliche Historie
und wirkliche Wirtschaft, umgesetzt in spannende Romane,
angesiedelt zwischen Fiktion und Realität.
Wünschen wir uns auch für den deutschen Buchmarkt mehr davon.
Eichenberger und sein "Siegermacher" können da als Leitstern
dienen!
Alexander Kaufmann, Berlin

Besprechung
von Peter Hediger,
Verteidigungsattaché a.D.
Jeder sportliche Grossanlass, von der
Olympiade bis zur Tour de France, bringt das lästige Thema des
Doping immer wieder in die Medien. Sportbegeisterte und
Sportverdrossene reagieren gleichermassen immer mehr abgestumpft
auf die mit Sicherheit immer wiederkehrenden und nie
abbrechenden Fälle von mutmasslichem und bewiesenem unfairem
Wettbewerb und sportlichem Missbrauch. Heinrich Eichenberger
schreibt Agentenromane und nicht einfach Krimis. Das ist ein
feiner, aber bedeutsamer Unterschied, wenn es diesmal darum
geht, die schmutzigen Machenschaften und Hintergründe des
sportlichen Wettkampfes auszuleuchten und die brutale
Kommerzialisierung vermeintlicher körperlicher Höchstleistungen
aufzuzeigen.
Die Protagonisten, welche diese Aufgabe
angehen, bzw. ursprünglich nicht ganz freiwillig in diese
Angelegenheit hineinschlittern, sind Richard Henry Harriott und
seine vertraute Partnerin Mercedes de Cárdenas von Palma
Management, eines auf Mallorca domizilierten privaten
Nachrichtenunternehmens für Geschäftsleute sowie deren
Auftraggeber, nur bekannt als Sir Alec, eines auch im Ruhestand
aktiv gebliebenen britischen Nachrichtendienstchefs. Wer mit den
bisher erschienen fünf Werken des Autors vertraut ist, kennt die
genannten Personen bereits ziemlich gut.
Autor Eichenberger ist aber immer wieder für
eine Überraschung gut. Gleich zu Beginn des neuesten Romans
erleidet Senora de Cárdenas, vor allem zur Irritation jener
Leser, die in früheren Werken Eichenbergers mit ihr
Bekanntschaft geschlossen haben, einen tödlichen Autounfall in
einer abgelegenen Gegend in einem der neuen deutschen
Bundesländer. Das darf doch nicht sein, das würde ja auf ein
Ende der Serie der Fälle von Sir Alec deuten. Obwohl gewisse
Zweifel an ihrem Tod auftauchen, bestätigt ein DNA Test im
Verlauf des Buches das Unfassbare.
Damit ist im Siegermacher das erste
Spannungsfeld geschaffen, in dem Richard alle Anstrengungen auf
die Umstände und Aufklärung dieses Todesfalles konzentriert. In
einem scheinbar unabhängigen Spannungsfeld wird Richard auf
einen italienischen NATO-General und dessen zweifelhafte
Finanztransaktionen, die über ein Zürcher Anwaltsbüro laufen,
angesetzt. Der Hauptteil des Romans besteht nun darin, dass
diese beiden Spannungsfelder sich langsam auf einander zu
bewegen und sich immer mehr überlappen und dadurch ein neues
Spannungsfeld generieren. In diesem spielt der Profiradsportler
Massimo, Sohn des erwähnten NATO-Generals, sowie dessen
Stiefmutter eine zentrale Rolle.
Was sich zwischen dem Vater als
finanzierendem Betreuer und dem Sohn als Exponenten auf dem
Rennrad abspielt, wird an anderer Stelle im Roman zwischen dem
aus der ehemaligen DDR stammenden Brüderpaar Beier aufgezeigt.
Sportliche Höchstleistungen des schwitzenden Pedalentreters auf
dem heissen Asphalt sind nur nebensächlich und im voraus
arrangiert. Diese Akteure sind bestenfalls Submarionetten, die
an den Fäden fragwürdiger Sportärzte hängen, die ihrerseits
wiederum von skrupellosen, ausschliesslich an finanziellem
Gewinn interessierten Kriminellen, eben den Siegermachern,
gezogen werden. Ein temporärer 2. Platz Massimos in einem
Rennen in Südafrika ändert nichts an dieser Situation. Vielmehr
scheint hier auf besonders makabere Art zu gelten: „Der Mohr hat
seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“. Er wird sogar
genötigt zu gehen, wenn er sich der unvorteilhaften
Vertragsbedingungen mit der Werbebranche, die der Siegermacher
ihm diktiert hat, bewusst wird und dagegen aufzubegehren
versucht. Wer zu solchen Erkenntnissen vorstösst, wird nicht mit
Samthandschuhen angefasst. Dafür sorgen ehemalige
Stasi-Schergen. Richard hat bei seinen Ermittlungen eine
Kostprobe davon abbekommen.
Es gehört zu den Stärken von Eichenbergers
Agentenroman, dass der Bösewicht des Siegermachers im
vorliegenden Roman keineswegs den landläufigen Vorstellungen
seiner Rolle entspricht. Stattdessen handelt es sich um einen im
gesellschaftlichen Umgang geschliffenen, integrierten Lebemann,
welcher als perfekter Gastgeber auf seiner mondänen Yacht im
Mittelmeer kreuzt und nicht nur den italienischen
Verteidigungsminister, sondern auch Sir Alec gekonnt an Bord zu
empfangen weiss . . .
Mehr soll hier zum Inhalt nicht verraten
werden. Angesichts des fulminanten Feuerwerks der Szenenfolge
wäre das auch gar nicht möglich. Ausserdem darf es nicht Aufgabe
einer Besprechung sein, die Spannung des Buches vor der Lektüre
zu brechen. Eichenberger ist kein Freund von ausführlichen
Beschreibungen des Atmosphärischen oder der Umwelt. Selbst die
Unterkapitel sind nur mit einer knappen Ortsangabe eingeleitet.
Über sein zweites alter ego neben Richard, äussert der Autor
sich treffend: „Floskeln und Vorreden waren nicht Sache von Sir
Alec, hatte er es nicht mit schönen Frauen zu tun“.
Eichenberger fokussiert auf Dialoge, die er
ungeschminkt wieder gibt. Wo nötig, baut er allenfalls noch
Kommentare ein, welche zum Inhalt der geführten Gespräche oder
zu einem spezifischen Verhalten der Romanfiguren fachliche
nachrichtendienstliche Erläuterungen abgeben. Diese Kommentare
bilden gegebenenfalls das reale Standbein des fiktiven
Siegermachers, ohne damit allerdings auf Kosten der Spannung in
einen wissenschaftlich anmutenden trockenen Fachjargon zu
verfallen. Auch mit dem Schluss des Romans macht es sich der
Autor nicht leicht. Da ist kein Schwarz-Weiss Bereich mit
scharfer Trennlinie, die eine Überführung und Bestrafung der
Schuldigen und einem Happy End mit Siegerehrung ermöglicht. Dazu
sind die Unzulänglichkeiten der Justiz auch im Roman noch viel
zu stark dem realen Leben entnommen. Dies ist ein letzter
wichtiger Aspekt, der trotz der Intensität des Inhalts und den
dicht aufeinander folgenden Szenenwechseln den Leser mit Genuss
und Gewinn beschert.
Heinrich Eichenberger: Der Siegermacher.
Ein neuer Fall für Sir Alec. Agentenroman. Hubert W.
Holzinger Verlag, Berlin 2008.
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